Wer auf den Schwingen der Fantasie zu schweben versteht, wird viele Farben sehen, wer sich nur dem Alltag pflichtbewusst hingibt, bei dem werden die Bilder wohl schwarz-weiß bleiben…Genau für diese Stunden der intimen Einsam- oder Gemeinsamkeit und Harmonie, in denen man zwar die Seele baumeln, aber den Geist nicht hängen lässt, ist „Bilder“ unser idealer Begleiter.

Die Sängerin, Lyrikerin und Songwriterin öffnet auf ihrem bereits dritten Album ihr ganz persönliches, musikalisches „Bilder“-Buch und lässt uns mit einer gelungenen Musikmischung aus Jazz, Latin, Swing, Blues und Bar-Jazz daran teilhaben. Ihre „Bilder“ sollen zu unseren werden und ihre Poesie in Verbindung mit der Musik eine völlig neue Klangfarbe erhalten. Und das funktioniert durch die Band um den Jazz-Ausnahmepianisten Gero Körner wirklich gut, auch wenn Gisela Berndts Stimme nicht immer die mannigfaltige Kraft, welche ihre Gedichte in sich tragen, so umfangreich zu entfalten vermag.

Schließlich entfalten die 10 Bilder ihrer Songs zugleich die unterschiedlichsten Stimmungen – ein rätselhaftes Foto, ein Blick aus dem Fenster, eine Marimba, die ursprüngliche Natürlichkeit des Regenwaldes, Treibgut und vieles mehr werden auf „Bilder“ zum Leben erweckt. Die poetischen Texte helfen uns dabei, sie vor unserem geistigen Auge mithilfe der Ohren zu sehen, auch wenn sie nicht in dem 12-seitigen Booklet abgedruckt sind. Dafür aber die lyrischen Texte, die den intellektuellen Freigeist genauso wie die Fantasie ansprechen. Wer keine haben sollte, der wird die „Bilder“ nicht sehen, sondern nur vom Jazz bestimmte Musik hören, mit der er sicher genauso wenig anfangen kann. Denn die Musik kleidet die Texte der Sängerin ein, wie ein Gewand, das von Lied zu Lied eine andere Gestalt oder zumindest Farbgebung annimmt.

GISELA BERNDT entwickelt auf „Bilder“ eine sehr intime Atmosphäre, so als würde sie an einem Abend in einer beruhigenden, schönen, aber auch etwas schummerigen Bar vor einem kleinen Publikum über ihr Leben und ihre Reisen und ihre Gedanken sprechen und dazu die entsprechenden Lieder singen, bei denen sie vordergründig von einem Pianisten begleitet wird, aber immer wieder auch Schlagzeuger und Bassist für einen stimmigen Hintergrund sorgen, während überraschend auch mal ein Saxophonist oder Akkordeon-Spieler – und bei „Marimba“ natürlich auch ein Marimbaphonist – auftauchen. Der rote Faden, der dabei alles zusammenhält sind sie eindrucksvollen, bildhaften Worte, welche die Sängerin in ihrer Musik und Gedichten zum Klingen bringt. Genau für diese Stunden der intimen Einsam- oder Gemeinsamkeit und Harmonie, in denen man zwar die Seele baumeln, aber den Geist nicht hängen lässt, ist „Bilder“ unser idealer Begleiter

Fazit: Ruhiger Jazz und schöngeistige deutsche Lyrik in bildhafter Sprache vereinen sich zu einer gelungenen Mischung, die zum Ende hin sogar ein paar finstere Momente offenbart. „Bilder“ von GISELA BERNDT & BAND wird so zu einem lyrisch-musikalischen Fotoalbum, welches erst durch seine Texte und die Musik die dazugehörigen Bilder in uns entstehen lässt. Wer auf den Schwingen der Fantasie zu schweben versteht, wird viele Farben sehen, wer sich nur dem Alltag pflichtbewusst hingibt, bei dem werden die Bilder wohl schwarz-weiß bleiben